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Deutsches Staatstheater Temeswar

„Frau Ildikó” verlässt die Bühne. Das Deutsche Staatstheater Temeswar trauert.

9. Januar 2019

Die am 3. Oktober 1944 geborene Schauspielerin schloss das Philologiestudium in Temeswar und das Schauspielstudium in Bukarest ab. Sie debütierte 1970 am Staatstheater Botoşani, bevor sie 1973 nach Temeswar zurückkehrte, wo sie am DSTT bis 2008 in über 70 Rollen auftrat. Zeitweilig gehörte sie den Ensembles des Nationaltheaters und des Ungarischen Staatstheaters Temeswar an.

DSTT-Rollen wie jene aus Minna von Barnhelm, Was ihr wollt, Chiriţa in der Provinz, Der zerbrochene Krug, Zwei Schwestern, Mutter Courage und ihre Kinder (in zwei unterschiedlichen Inszenierungen), Sibirien, oder Die Stühle gehören zu den bleibenden Erinnerungen der hiesigen Theaterkultur.

„Frau Ildikó” war keine alltägliche Erscheinung am Theater: ob mit einem Augenzwinkern oder mit tadelndem Blick, ob mit sanftem oder souveränem Auftritt, ob rügend oder mit lieblicher Stimme, ihre Präsenz war nicht zu übersehen. Ihr Blick war scharf, und ein feiner Sinn für Humor nährte ihre geistreiche Natur. Zu ihrer Beleibtheit hat sie sich mit Charme und Natürlichkeit bekannt. Eine frohe Natur war sie. Man konnte sich in sie verlieben.

Die Wucht und die Vielschichtigkeit des schauspielerischen Ausdrucks imponierten nicht minder als ihre Schaffenskraft und Standhaftigkeit als Theaterdirektorin, als sie in schweren Zeiten des Umbruchs das lecke Schiff Deutsches Staatstheater in sichere Gewässer lenkte. In mühevollen, doch von Hoffnung, Weitsicht und Nicht-Aufgeben-Wollen geprägten 18 Jahren stand sie dem Haus zwischen 1983 und 2001 vor.

Sie packte es selber an: sie hat gespielt, inszeniert, übersetzt, unterrichtet und ein Theater geleitet. Es ging im Endeffekt um ihr Ein und Alles im Berufsleben, um den Fortbestand des rumäniendeutschen Theaters.

In all dieser Zeit war und blieb sie eine richtige Theaterprinzipalin.

Ihr Raffinement, ihre Mehrsprachigkeit und Bildung, gekoppelt mit ihrer so lebensbejahenden Natur, waren einem Persönlichkeitsbild eigen, das nicht nur in der Theaterwelt seinesgleichen sucht.


Lucian M. Vărșăndan

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