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Deutsches Staatstheater Temeswar

Die letzte Botschaft des Kosmonauten an die Frau, die er einst in der ehemaligen Sowjetunion liebte

von David Greig

Regie: Alexandru Mihăescu

ZUM STÜCK

Seit Jahren driften die Kosmonauten Oleg und Kasimir vergessen im All. Nur Kasimirs Tochter Nastassja schaut von der Erde ab und zu nach oben. Mittlerweile jobbt sie als Erotiktänzerin in einem Londoner Nachtclub, wo sich der Beamte Keith unglücklich in sie verliebt. Eines Abends fährt Keith an den Strand und verschwindet im Meer. Die Suche nach ihm führt seine Frau Vivienne bis nach Südfrankreich, zu einem UFO-Forscher. Zur selben Zeit trifft Nasstasja Erik, der sie mit nach Oslo nimmt. Dort sieht sie, auf dem Dach eines Hauses, ein Leuchten am Himmel. Es ist Oleg, der die Raumstation in die Luft sprengt. In 42 kaleidoskopischen Szenen begegnen sich Greigs Figuren immer neu, vereint und doch Lichtjahre voneinander getrennt. <> (Stuttgarter Nachrichten) <> (The Independent)

DAS WORT DES REGISSEURS

"Der Junge aus "Der alte Mann und das Meer" erinnert sich an die Worte seines Meisters: alle Worte befinden sich seit Anbeginn der Zeit in der Luft sowie alle Botschaften die jemals gesendet worden sind. Die Geschichte der Kommunikationsmitteln: vom Göttertanz zu UMTS und irgendwo dazwischen die Erfindung der Postkarten und der Poney Express. Herr Morse und Herr Bell. Die Zwillingssatellitenschüssel in Form eines Ohrs, eine im Norden Frankreichs, eine in Washington State, die eine erste Life- Videokonferenz über den Atlantik ermöglicht haben. Der Kulturaustausch während eines Musikfestivals, der oft weitergeführt wird zwischen Menschen, die sich kennengelernt und Sympathie füreinander empfunden haben (sin - pathos). "Es war noch nie einfacher miteinander zu kommunizieren" könnte die Werbung eines Handyherstellers lauten. All dies bedeutet Kommunikation. Und die einfache Kommunikation? Wie entsteht sie? Was bedeutet digital, analog? Können wir sie fühlen? Sehen? Oder können wir nur spüren, wenn sie nicht stattfindet? Bestandsaufnahme Europa: farbig, globalisiert, spezialisiert, verantwortungsbewusst, gestresst, konsumfreudig, auf einer ewigen Jagd nach Liebe, Status und Anerkennung, Wissen, Geld, Glauben. Kurz: nach Glück. Ab 35 Tausend km über der Erde ein Ring künstlicher Satelliten, die Augen und Ohren der Menschheit. Die Helden der '60 ,'70: die Astronauten. Sowjetischer Begriff für Astronaut: Kosmonaut. "Die letzte Botschaft..." hält einen Augenblick unserer Welt fest und setzt ihn in den Labyrinth der Kommunikation, unter dem subjektiven Blickwinkel zweier Kosmonauten, irgendwann vergessen auf der Erdumlaufbahn." Alexandru Mihăescu

Premiere: 16. Dezember 2005 19:00

Besetzung

Keith, ein Beamter
Georg Peetz (a.G.)

Vivienne, eine Sprachtherapeutin
Ida Jarcsek-Gaza

Nastassja, eine Erotiktänzerin
Ioana Iacob

Erik, ein Beauftragter
Rareș Hontzu
Colin Buzoianu
Ionuţ Dorobanţu

Pressestimmen

"Multimediale Effekte, elektronische Musik und Russisch-Brocken bombardieren den Zuschauer. Zwei im All vergessene Kosmonauten, eine russische Striptänzerin mit Wunsch nach Ehe und Kindern, ein unentschlossener schottischer Beamter, eine Sprachtherapeutin, deren Ehe wegen Kommunikationslosikgkeit auseinandergeht, ein norwegischer Weltbank-Angestellter, der Frieden stiften soll, ein französischer UFO-Forscher - alle Personen träumen von etwas, lechzen nach Kommunikation und Gemeinschaft, erreichen ihre Ziele aber nicht. Der Autor griff dabei die Geschichte des sowjetischen Kosmonauten Sergej Krikalev auf, der Anfang der Neunziger längere Zeit auf der Raumstation Mir verbringen musste, weil in der Zwischenzeit auf der Erde das politische System der Sowjetunion auseinanderbrach. Bei Greig sind es die Kosmonauten Kasimir (Colin Buzoianu) und Oleg (Ionut Dorobantu), die jahrelang auf der Erdumlaufbahn vergessen werden. In der Zwischenzeit wächst Kasimirs Tochter Nastassja (Ioana Iacob), mit den Augen gen Himmel und Raumstation gerichtet, auf und wird Erotiktänzerin in London. Nastassja verliebt sich unglücklich in den schottischen Beamten Keith (Georg Peetz), einen Schwächling, wird, nachdem dieser sie verlässt, die Geliebte des norwegischen Weltbank-Angestellten Erik (Rares Hontzu) und träumt immer noch von Eheglück und Kindern sowie von Kontakt zu ihrem über Europa schwebenden Vater. Keith' Frau Vivienne (Ida Jarcsek-Gaza), vom Ehepartner verschmäht und verlassen, geht auf seine Suche und landet beim UFO-Forscher Bernard (Georg Peetz). Nur zum Schluss findet sie Keith wieder und bittet - sie ist Sprachtherapeutin - um eine Aussprache. Die Bühne - für das Bühnenbild zeichnet Bianca Predoi - ist zweigeteilt zwischen oben und unten, so dass die Kosmonauten immer dabei sind. Die Schicksale der Personen sind miteinander verwoben, widerspiegeln sich gegenseitig. Trotzdem erreichen sie ihre Träume von Kontakt zueinander nicht. Jedesmal erscheinen Grenzen: Sprach-, Mentalitäts-, Gefühlsgrenzen. Die Grenze des Alleinseins ist erreicht, als die "Harmonie 114" in die Luft geht. Die guten schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller Ida Jarcsek-Gaza, Georg Peetz und Ioana Iacob (alle drei hatten je zwei Rollen zu besetzen) sowie Colin Buzoianu sind hervorzuheben. Alex Mihăescu hat einen guten Start als Regisseur geschafft. [...]"


aus: Stefana Ciortea-Neamtiu, Kommunikationslosigkeit auf der Erde und im All. Multimediale Inszenierung am DSTT, in: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 23. Dezember 2005

Fotos

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